Jahresbericht 2017 der AIDS-Hilfe Weimar und Ostthüringen

3. Mai 2018 AIDS-Hilfe Weimar und Ostthüringen veröffentlicht ihren Jahresbericht 2017

Entsprechend der Satzung des Vereins fördert der AIDS-Hilfe Weimar und Ostthüringen e.V. die öffentliche Gesundheitspflege in Thüringen.

Gegenstand unserer Aufklärungs-, Präventions- und Beratungsarbeit sind HIV/Aids, Hepatitiden und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI, Geschlechtskrankheiten).

Unsere Arbeitsgrundlage ist die Strukturelle Prävention. So streben all unsere Präventionsbemühungen nach der Einheit von Verhaltens- und Verhältnisprävention, der Einheit der drei Präventionsebenen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention sowie der Einheit von Gesundheitsförderung und Selbsthilfe.

Wenn wir die Menschen aufklären und sie zu einem Risikomanagement befähigen, gestalten wir immer auch eine Gesellschaft mit, in der sich Menschen respektvoll und wertschätzend begegnen und in der die Vielfalt der Lebens- und Liebesweisen akzeptiert wird. Wir arbeiten an einer Gesellschaft, die Räume und Möglichkeiten schafft, dass Menschen sich schützen und ihre Gesundheit erhalten können. Beispielsweise sorgen wir dafür, dass der Zugang zu Kondomen für Menschen in Haft erleichtert wird und fordern von den Verantwortlichen, mit Spritzenautomaten in Justizvollzugsanstalten Schadensminimierung beim Drogenkonsum zu ermöglichen.

Strategien, die Ausbreitung von HIV, Hepatitiden und STI[1] zu minimieren, beinhalten, heute mehr denn je, neben individuellen Schutzmaßnahmen auch die Früherkennung und Behandlung sowie die Entstigmatisierung dieser Infektionen und den Abbau von Diskriminierung der davon betroffenen Menschen. Somit gehen Primär- und Sekundärprävention bei unserer Arbeit Hand in Hand.

Gesundheitsförderung und die Förderung der Selbsthilfe sind integrale Bestandteile unseres Aufgabenprofils.

Wir sehen uns einem humanistischen Menschenbild verpflichtet und beachten den Grundsatz, dass Prävention niemals diskriminierend sein darf. Wir wollen die Menschen informieren und empowern, eigenverantwortlich die ihnen gemäßen Entscheidungen zum Erhalt ihrer Gesundheit zu treffen. Dabei akzeptieren wir, dass Liebe und Sexualität zutiefst menschliche Bedürfnisse sind, die nicht immer rational gesteuert, sondern zuvorderst emotional geprägt sind. Somit gehören auch Risiken zum Leben.

Wir wollen über Risiken des Suchtmittelkonsums aufklären und den Menschen helfen, Bedürfnisse nach Rausch möglichst risikoarm zu befriedigen (harm reduction).

Wir akzeptieren und wertschätzen die Vielfalt von Lebens- und Liebesweisen und stellen uns in den Methoden unserer Arbeit auf die verschiedenen Zielgruppen ein.

Die aktuellen Daten des Robert-Koch-Institutes zur Entwicklung der HIV-Infektion besagen, dass Ende 2016 in Deutschland 88.400 Menschen mit einer HIV-Infektion lebten, in Thüringen waren es 700. Die jährlichen Neuinfektionen bewegen sich, verglichen mit anderen europäischen Ländern, auf niedrigem Niveau. Das zeigt, dass unsere Präventionsstrategie der Aufklärung und Information und der Antidiskriminierungsarbeit wirksam ist. 2016 sank die Zahl der HIV-Neuinfektionen bundesweit im Vergleich zum Vorjahr leicht und betrug 3.100, in Thüringen waren es gleichbleibend 50 Menschen, die sich neu infizierten. 70 % der Neuinfektionen in Thüringen erfolgten beim Sex unter Männern. Daher ist die Prävention von HIV, Hepatitiden und STI bei Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben, ein vordringliches Ziel unserer Arbeit. Es bedarf personeller und finanzieller Ressourcen, um dieser zentralen Aufgabe, der Prävention HIV in Personengruppen, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, sich zu infizieren, nachzukommen.

Leider wurde in Thüringen die Prävention in dieser hauptsächlich von HIV betroffenen Personengruppe bisher nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert. Dies schränkt unsere Möglichkeiten erheblich ein. Die Aidshilfe kann mehr!

Menschen in Haft gehören zu den Personengruppen, die besonders vulnerabel in Bezug auf die Infektion mit dem HIV und Hepatitis B und C sind. Ursachen dafür sind der intravenöse Drogengebrauch, Sexualität unter Männern sowie, das in der JVA zwar nicht erlaubte, aber dennoch praktizierte, Tätowieren unter unhygienischen Bedingungen. Bei gleichzeitigem fehlendem Zugang zu sterilem Spritzbesteck und erschwertem Zugang zu Kondomen und Gleitgel entstehen Risikosituationen für eine Übertragung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderen STI. Ein im Jahre 2016 über ein viertel Jahr laufendes vom TMASGFF[2] finanziertes Projekt erlaubte uns, Ansätze der Prävention bei Menschen im Justizvollzug. Eine stetige Prävention in allen Thüringer Haftanstalten wäre vonnöten.

Ein wichtiges Mittel der Prävention ist heute die Früherkennung. Die schlimmen Folgen einer HIV-Infektion können nur verhindert werden, wenn Infektionen frühzeitig diagnostiziert werden. In Deutschland wissen ca. 15 % der HIV-Infizierten nichts von ihrer Infektion. Die AIDS-Hilfe Weimar und Ostthüringen bietet den HIV-Test und den Syphilis-Test kostenlos und anonym an, den Syphilis-Test vorzugsweise für Schwule und andere MSM[3] .

Um Menschen zu motivieren einen Test zu machen, müssen wir Ängste vor Ausgrenzung nach einem positiven Testergebnis abbauen. Daher wollen wir zeigen, dass man mit HIV heute leben kann und mit unserer Aufklärungsarbeit eine Gesellschaft entwickeln, in der Menschen mit HIV diskriminierungsfrei leben können.

Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich ist die Förderung von Selbsthilfe und Selbstorganisation von Menschen mit HIV.

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen haben wir 2017 die hier dargestellten Aufgaben erfüllt und Ziele verwirklicht. Diese Maßnahmen dokumentieren wir im Folgenden.

Der vollständige Bericht findet sich als PDF-Datei zu diesem Artikel.

 

[1] STI – Sexual Transmitted Infections, dt. Sexuell übertragbare Infektionen, Geschlechtskrankheiten

[2] Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

[3] Männer, die Sex mit Männern haben