Kompetent, kreativ, kurzweilig!

17. Januar 2018 Seminarfachschülerinnen begeistern im Kolloquium zur Seminarfacharbeit

„HIV-Prävention als Maßnahme gegen Unwissen und Diskriminierung – notwendig oder altbekannt?“ – so lautet der Titel der Seminarfacharbeit, die heute im  Staatlichen Angergymnasium Jena verteidigt wurde. Knapp 1,5 Jahre haben wir von der AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen gemeinsam mit den Schülerinnen Lea Elisabeth Bregulla, Romy Eckold und Magdalena Wagner gedacht, gelacht und gemacht. Das Ergebnis ist eine knapp sechzigseitige Arbeit, die das Herz so mancher Aidshilfe und Organisation, die sich dem Kampf gegen Diskriminierung HIV-positiver Menschen verschrieben hat, höher schlagen lassen dürfte.

Wie es sich für eine Schule mit Möglichkeiten der musisch–künstlerischen Entwicklung gehört, begann der Einstieg mit einem Schauspiel. Wir lernten eine Frau kennen, die sich mit HIV infiziert hat und nie damit gerechnet hätte – wie die aktuell 2000 Frauen in Deutschland, die nichts von ihrer Infektion wissen.

Nach der kurzen Darstellung der biologischen Aspekte stellte uns die Gruppe genau diese zuletzt vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Zahlen zur Epidemiologie von HIV und AIDS auf illustrative Art vor und verwies davon ausgehend auf die 90-90-90-Ziele von UNAIDS.

Viele Beispiele veranschaulichten im Anschluss die Überleitung zum Thema Diskriminierung, bei der das Projekt „positive stimmen“, innerhalb dessen 1148 Menschen mit HIV zu ihren Erfahrungen mit HIV-bezogener Stigmatisierung und Diskriminierung befragt wurden, die Grundlage für die weitere Auseinandersetzung bot. Hinter dieser Studie braucht sich die Internetumfrage der Seminarfachschülerinnen keinesfalls zu verstecken: Sie befragten unfassbare 180 Personen, um den Aufklärungsbedarf verschiedener Altersgruppen zu ermitteln und Zusammenhänge zwischen Bildungsabschluss, Wissen über HIV und anderen Kriterien herzustellen.

Eine ihrer erarbeiteten Thesen, „Diskriminierung und Stigmatisierung entstehen am häufigsten durch unzureichendes oder fehlerhaftes Wissen der Person.“, leitet sich unter anderem von folgenden drei Ergebnissen ab:

  • Ein Drittel der Befragten kennt den Unterschied zwischen HIV und AIDS nicht. Dabei lässt sich kein Zusammenhang zum Bildungsabschluss nachweisen, so dass dieser nicht als primäre Ursache für Diskriminierung als Folge von Unwissen anzusehen ist.
  • Personen, die sich durch Internet, Fernsehen, Familie und Freundeskreis Wissen über die Infektionserkrankung angeeignet haben, fühlten sich subjektiv erstaunlich gut informiert. Anhand des objektiv messbaren fehlenden Fachwissens zeigte sich in der Umfrage jedoch, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung weit auseinanderliegen.
  • „Knapp 70% der Befragten waren sich nicht bewusst, wie gering das Risiko einer Ansteckung mit einem HIV-positiven Menschen ist, wenn dieser Medikamente einnimmt.“ Infolge qualifizierter Aufklärung konnte bei dem Gros dieser Personen eine Auflösung der Ängste bewirkt werden. Auf diese Weise bestätigt sich die Effektivität der Präventionsarbeit im Hinblick auf den Abbau von Diskriminierung.

Die erarbeiteten Schlussfolgerungen, wie etwa, dass  „(…) neben dem Aufzeigen der reinen Biologie, die Diskriminierung HIV-positiver Menschen innerhalb der Gesellschaft genauso viel Gewicht tragen.“ sollte, das Belegen der Dringlichkeit „gezielter und regelmäßiger Präventionsveranstaltungen“ und  „Neu erreichte Lösungen durch den sich immer verbessernden Forschungsstand werden von der Masse der Gesellschaft oft nicht wahrgenommen.“ verdeutlichen wissenschaftlich fundiert den Argumentationszusammenhang der im Titel genannten einzelnen Elemente, welche in der Arbeitspraxis der Aidshilfen von relevanter Bedeutung sind.

Als ob dieser praktische Anteil nicht schon Arbeit genug gewesen wäre, plante die Gruppe eine eigene HIV-Präventionsveranstaltung in einer neunten Klasse ihrer Schule und führten diese selbständig durch. Eine Befragung der 27 Schüler vor und nach der Aufklärungseinheit untermauert endlich faktisch deren Nutzen. So zeigt unten aufgeführte Statistik allein das Informationspotential.

Weitere Umfragethemen führten allein bei dieser Präventionseinheit zur Verdeutlichung des Bedeutungszusammenhanges zwischen Unwissen und Diskriminierung. Aus diesem Grund können wir uns dem eigenen Resümee der Gruppe nur anschließen: Medizinisch ist die HIV-Infektion gut behandelbar. Die Diskriminierung der Betroffenen ist jedoch noch weit verbreitet und muss weiterhin bearbeitet werden. Oder, um es mit These IX zu sagen:

„HIV-Prävention ist noch immer eine notwendige und keine altbekannte Maßnahme gegen Unwissen und Diskriminierung HIV-positiver Menschen.“

Die während der Verteidigung sowohl optisch als auch akustisch geschickt eingebundenen Thesen bildeten die Grundlage für die anschließende Diskussion und lebhafte Fragerunde. Was da noch dem Interesse an den Arbeitsinhalten und dem persönlichen Interesse entsprach war nicht eindeutig zu erkennen. Uns ist das aber auch egal, zeigt es doch, dass das Thema und die geistreiche Umsetzung einen Nerv getroffen haben!

Lea, Romy und Magda: Ihr habt eine großartige Arbeit geleistet, die viel Nutzungspotential in sich birgt! Vielen Dank dafür!

P.S.: Dass die Arbeit mit sehr gut bewertet wurde, versteht sich von selbst… Dass die Anfrage einer erneuten Präsentation auf der Veranstaltung „Best of Kolloquia“ direkt im Anschluss gestellt wurde, kam aber schon etwas plötzlich.